Teheran warnt den Westen: Sperrung der Meerenge von Hormus wäre so einfach 'wie ein Glas Wasser zu trinken'
Sayyari schwächte die Drohung aber etwas ab. 'Im Augenblick' sei eine Blockade nicht nötig, sagte er. Aus dem Persischen Golf werden je nach Marktlage zwischen 20 und 40 Prozent des WeltÖlbedarfs durch die Straße von Hormus verschifft. Derzeit hält Irans Marine zehntägige Manöver ab, die sich östlich der Meerenge in den Indischen Ozean bis zum Golf von Aden erstrecken. Die Meeresstraße ist nur 39Kilometer breit. Die beiden Tanker-Routen für den Verkehr in den Golf und hinaus sind jedoch auf bloß jeweils zwei Kilometer Breite begrenzt und durch einen zwei Kilometer breiten Streifen voneinander getrennt.
Jeder kenne die strategische Bedeutung der Wasserstraße, sagte Admiral Sayyari. 'Sie ist völlig unter Kontrolle der Islamischen Republik.' Irans Marine und die Revolutionsgarden unterhalten an der Golfküste eine große Flotte von Schnellbooten, mit denen sie sowohl Tanker als auch US-Kriegsschiffe angreifen könnten. Noch gefährlicher könnten für solche Ziele die Anti-Schiffsraketen des chinesischen Typs Silkworm werden, die in unbekannter Zahl installiert sind. Auch Irans Vizepräsident, der normalerweise für Innenpolitik zuständig ist, hatte betont, sein Land wolle keine Gewalt. Die Feinde würden jedoch ihre Verschwörungen nur einstellen, wenn sie in ihre Schranken gewiesen würden.
Die EU-Außenminister hatten Anfang Dezember verschärfte Sanktionen gegen Iran angekündigt, über deren Inkraftsetzung Ende Januar entschieden werden soll. Derzeit berät eine Arbeitsgruppe über die Details. Zu den Strafen könnte gehören, dass iranische Ölexporte erschwert werden, indem den Abnehmern die Möglichkeit genommen wird, über die Teheraner Zentralbank zu bezahlen. Trotz Teherans Drohung teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch in Berlin mit, es sei weiterhin geplant, beim nächsten EU-Außenministerrat Ende Januar neue Sanktionen zu beschließen. Der Westen will Iran dadurch zur Aufgabe seines militärischen Atomprogramms zwingen. Die US-Marine kündigte an, eine Blockade der Meerenge 'wird nicht geduldet'.
Kritiker der Sanktionen argumentieren, Iran würde bei geringeren Exporten, aber höheren Preisen eventuell mehr verdienen als vorher. Befürworter von Sanktionen hoffen hingegen, dass der Ausfall eines Teils der iranischen Exporte durch eine erhöhte Förderung anderer Produzenten, vor allem Saudi-Arabiens, ausgeglichen werden könnte. Die Saudis fördern derzeit zehn Millionen Fass Öl pro Tag und wären technisch in der Lage, auf zwölf Millionen Fass zu expandieren. Ein Fass entspricht 159 Litern.
Jedoch würde diese Strategie eines saudischen Ausgleichs durch eine iranische Blockade durchkreuzt werden, da der größte Teil des saudischen Öls durch die Straße von Hormus exportiert wird. |